Ausbildung und Arbeit

Qualifizierung der Ehrenamtlichen

Ehrenamtliche in der Hospizarbeit begleiten schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase – vorwiegend im häuslichen Umfeld. Sie unterstützen und entlasten Angehörige und ergänzen andere professionelle Dienste in der hospizlichen und palliativen Versorgung und Betreuung. Voraussetzung für diese anspruchsvolle Tätigkeit ist eine solide Qualifizierung. Dafür gibt es unterschiedliche Konzeptionen, aus denen die AG Hospiz den folgenden Standard entwickelt hat. Dieser hat das Ziel, die Qualität der hospizlichen Arbeit zu sichern, sowie die Hospizhelferinnen und Hospizhelfer vor Überforderung zu schützen.

Rahmenbedingungen der Qualifizierung
 
1. Adressaten
Qualifiziert werden Personen, die bereit sind, Schwerkranke und Sterbende ehrenamtlich zu begleiten.

2. Voraussetzungen für die Teilnahme  

  • Fähigkeit zur Kommunikation
  • Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und der eigenenEndlichkeit
  • Bereitschaft, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren
  • Bereitschaft, sich auf den Gruppenprozess einzulassen und eigene Erfahrungeneinzubringen
  • Bereitschaft, Neues auszuprobieren und eigene Grenzen wahrzunehmen
  • Psychische Belastbarkeit
  • Offenheit für religiöse Fragen
  • Regelmäßige Teilnahme
  • Verpflichtung zur Verschwiegenheit

Die Klärung der Motivation für die Qualifizierung und die Entscheidung über die Teilnahme erfolgen in einem persönlichen Gespräch  mit der Kursleitung. Die Qualifizierungsmaßnahme ist nicht geeignet, eigene Schwierigkeiten und Probleme, z. B. akute Trauer, therapeutisch zu bearbeiten.

3. Kursleitung
Die Kursleitung erfolgt durch eine Fachperson, welche die Teilnehmenden während der gesamten Qualifizierung begleitet und Kursinhalte, Praktika sowie Fachreferentinnen und -referenten verantwortlich koordiniert. Voraussetzungen für die Kursleitung sind: Erfahrung in der Leitung von Gruppen, Kenntnisse in der Gruppendynamik, Erfahrung in der Begleitung und Beratung von Einzelpersonen und pädagogische Fähigkeiten zur Vermittlung von Inhalten. Die Kursleitung wird von der jeweiligen Hospizinitiative beauftragt.

4. Dauer
Die Qualifizierung in der Gruppe umfasst 80-90 Stunden. Hinzu kommt ein Praktikum von mindestens 50 Stunden. Der Zeitraum der gesamten Qualifizierungsmaßnahme soll etwa ein Jahr umfassen.
 
5. Kosten
Die jeweilige Hospizinitiative entscheidet über die Teilnahmegebühren und die Finanzierung der Qualifizierung.

6. Zertifikat
Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat dokumentiert.


Inhalte der Qualifizierung

  • Persönliche Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben, Tod und Trauer und Arbeit an der eigenen Person
  • Grundkenntnisse zum Sterbeprozess und zur Sterbebegleitung
  • Spirituelle und seelsorgliche Elemente in der Sterbebegleitung
  • Trauer
  • Grundregeln der Kommunikation
  • Information zu Sachthemen

Arbeit der Hospizhelferin und des Hospizhelfers

1. Hospizarbeit ist Ehrenamt
Die ehrenamtlich Tätigen bilden das Rückgrat jeder Hospizinitiative. Sie werden durch die Hospizfachkraft/ Koordinatorin vor allem zur Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden eingesetzt. Das Zusammenwirken unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Kompetenzen macht den Reichtum und die Dynamik einer Hospizinitiative aus. Jede Hospizinitiative sorgt für Fortbildung und Supervision ihrer ehrenamtlichen Kräfte. In manchen Hospizinitiativen übernehmen Hospizhelferinnen und Hospizhelfer auch andere Aufgaben, wie Schreib- und Telefondienst, Öffentlichkeitsarbeit, Sponsorensuche, Finanzplanung und die gesamte Vorstandsarbeit.

2. Situationsorientiertes Handeln
Die Begegnung mit dem Sterben ist immer wieder anders und entzieht sich jeder Schematisierung. Daher gehören Achtsamkeit, Respekt, das genaue Wahrnehmen der jeweiligen Situation und die Bereitschaft, sich mit der eigenen Person darauf einzulassen, zu den entscheidenden Voraussetzungen für gelingende Hospizarbeit. Es gilt der Grundsatz: Die Sterbenden behalten die Führung. Zum angemessenen Umgang mit der Situation des Sterbens gehört es, die Personen, die den Sterbeprozess begleiten, wahrzunehmen und mit ihnen zu kooperieren. Zu ihnen gehören die Angehörigen und die Freundinnen und Freunde, sowie die beteiligten Fachkräfte.
Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion sind wichtige Elemente in der Begleitung und brauchen Übung und Supervision.

Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Arbeit

1. Zulassung zur ehrenamtlichen Hospizarbeit
Die Hospizfachkraft/Koordinatorin entscheidet darüber, wer nach der Qualifizierung zur Hospizarbeit zugelassen wird.

2. Vereinbarung für die ehrenamtliche Tätigkeit
Für die hospizliche Tätigkeit bedarf es einer schriftlichen Vereinbarung, in der u. a. der Aufgabenbereich, der zeitliche Rahmen sowie der Auslagenersatz geregelt werden.

3. Einführung in das Ehrenamt
Zu Beginn der praktischen Arbeit steht eine Einführung, die in der Regel im Rahmen eines Gottesdienstes stattfindet.

4. Supervisorische Begleitung   
Die regelmäßige Supervision ist für jede Hospizhelferin und jeden Hospizhelfer Angebot und Verpflichtung zugleich. Sie findet in der Regel in Gruppen statt.

5. Fortbildung
Zur qualifizierten ehrenamtlichen Arbeit gehört regelmäßige Fortbildung. Hierfür finden sich auf regionaler und überregionaler Ebene zahlreiche Angebote.

6. Versicherungen
Die Hospizhelferin und der Hospizhelfer sind im Rahmen ihrer Tätigkeit durch die Kirche, die Diakonie oder die jeweilige Hospizinitiative versichert.
   

Aktuelles

Mitgliederversammlung

27.04.2017